Monatsarchiv für August 2008

 
 

1000 Tage Archiv des Nichts

Folgende freundliche Mail des Nichtskünstlers Stephan US (Bild) aus Münster, der dort das Archiv des Nichts betreibt, geben wir hiermit gerne der interessierten Öffentlichkeit zu bedenken:

Am 9. Dezember 2005 stand das Archiv des Nichts das erste Mal aufgebaut in meinem Atelier. Leer. Nun feiert das Archiv seinen 1000-tägigen Geburtstag und es ist groß geworden. Von der absoluten Leere ist es in dieser Zeit auf seinen Reisen zu einer Fülle des Nichts mit über 750 Beiträgen aus der ganzen Welt gewachsen.

NichtsarchivkopfJetzt ist es an seinen Geburtsort zurückgekommen um für 10 Tage Geburtstag mit Ihnen zu feiern. Kommen Sie und forschen Sie in der Fülle des Nichts. Natürlich können Sie auch in dieser Zeit Geburtstagsgeschenke vorbeibringen: Bringen Sie einfach ihr ganz persönliches Nichts für das Archiv mit!

Und als besonderes Schmankerl wird während der Öffnungszeiten die carte blanche ausgerufen. Sie ist der Raum für Ihre spontanen Aktionen und Darbietungen rund um das Thema Nichts, Stille, Leere, Abwesenheit, Schweigen oder den anderen verwandten Bereichen des Nichts.

Herzlichst Stephan US

Und hier nochmal kurz zusammengefasst:

4.- 13. September 2008
Öffnungszeiten: täglich 15 – 19 Uhr, Montags geschlossen

6. September, Lange Nacht der Museen und Galerien 16 – 23 Uhr

Archiv des Nichts
Speicher II | Atelier 2.8 | Hafenweg 28 | 48155 Münster

[Paul]

Nichts-Zitate (9)

„Es mag angesichts des Mehr an Lifestyle, für den Apples Käufer bestens löhnen, wenig erschüttern, sondern eher konsequent scheinen, dass im neuen Anwendungsladen für das immer noch nicht Copy&Paste beherrschende Apple-Smartphone, das mit dem kleinem i vornedran (Kostenpunkt ‚kleines i‘: geschätzt 99€), eine Applikation mit dem Namen ‚I am rich‘ verhökert wurde, welche eintausend Dollar minus einen Cent kostete und exakt: Nichts machte.“

Frank im Craplog

Nichts, was es nicht gibt (2)

Man könnte diese Rubrik allein mit deutschen Museen füllen. Tun wir aber nicht. Es wäre viel zu billig, Museen wie die Lutherstiege in Augsburg, die Puppentheatersammlung Dresden, das Arithmeum in Bonn, Bagger 1452 bei Berzdorf, das Deutsche Kartoffelmuseum in Fußgönheim, das Deutsche Knopfmuseum in Bärnau, das Deutsche Hygienemuseum oder das Deutsche Steuermuseum aufzuführen, um anschließend auszurufen: „Aber hallo! Dafür gibt es wirklich und wahrhaftig ein Museum?“

Hingegen freue ich mich wirklich und wahrhaftig, das deutsche Fliesentischmuseum entdeckt zu haben, und wundere mich überaus, dass es dieses noch gar nicht so lange gibt.

Fliesentisch


Der Fliesentisch – oder FT, wie der Fachmann sagt – war in den Siebzigern der Brüller, wanderte in den Achtzigern ins Kinderzimmer, wurde in den Neunzigern zum Beistelltisch im Bastelkeller degradiert und erblickt heute im deutschen Unterschichtenfernsehen wieder das Licht der Welt. Ob „Supernanny“, „Schwiegertochter gesucht“ oder „Familie mit Herz“ – man hat das Gefühl, dass besonders RTL den Fliesentisch ins Herz geschlossen hat.

Zum Glück kann der kulturhistorisch interessierte Fliesentischfreund seine Freude an diesem spannenden Haushaltsobjekt ausleben, ohne Nachmittage vor der Glotze zu verbringen, denn das deutsche Fliesentischmuseum ist rund um die Uhr geöffnet: Im Internet.

Fliesentischmuseum


Wer auf Fliesentischfreunde herabblickt, weil er sie als sozial tiefstehend oder minderbemittelt betrachtet, dem sei gesagt, dass auch der Jetset den Fliesentisch schon längst wieder entdeckt hat. Ein Blick ins Trendmagazin „Living at home“ zeigt den Fliesentisch in seiner ganzen postmodernen Pracht.

[Paul hat’s im Abfallkalender gefunden.]

Gezwitscher

Bei uns steht nicht nur die Blogosphäre unter nichtswürdiger Beobachtung. Wir halten uns zugute, auch andere Web-2.0-Aktivitäten zu verfolgen. Das Stichwort „Verfolgen“ führt geradewegs zu Twitter, das Stichwort „nichts“ hingegen zu einem Twitterer namens „nichts“ (Twitterschreibweise: @nichts) mit folgendem Profil (zum Vergleich rechts daneben das Profil von Twitterstar @saschalobo)

@nichts2@nichts3


Allen Nichttwitterern sei dieses Kauderwelsch wie folgt dechiffriert:
„Following: 0“ heißt, dass @nichts keine Beiträge anderer Twitterer verfolgt. „Followers: 0“ bedeutet, dass niemand die Beiträge von @nichts verfolgt (auch nicht @niemand). Weil auch die „Favorites“ bei 0 stehen, hat @nichts bisher keine Lieblingsbeiträge anderer Twitterer gespeichert. @nichts hat darüber hinaus weder Herkunftsort noch Kurzbiographie hinterlegt. Und „Updates: 1“ weist darauf hin, dass @nichts in seinem kurzen Twitterleben lediglich einen einzigen Tweet verfasst hat:

@nichts1


Das ist wahrhaftig nichtswürdig.

[Peter]

PS: Noch konsequenter ist nur das englische Pendant @nothing.