Monatsarchiv für Oktober 2008

 
 

Fahrrad

Plakat - missing bicycle


Ich kann mir ums Verrecken keine Witze merken. Aber bei obigem Bild ist mir spontan folgender wieder ins Hirn getreten:

Ein Migrationshintergründler mit rudimentären Deutschkenntnissen und einem Faible für Sprichwörter kauft sich ein nicht ganz billiges Zweirad. Vom Kollegen gefragt, ob das denn Not täte, erklärt er:

„Deutsches Sprichwort sagt: Guter Rad ist teuer.“

Eine Woche später kommt das Gefährt diebshalber abhanden. Vom Kollegen gefragt, ob er denn nicht zur Polizei gehen wolle, winkt er ab:

„Deutsches Sprichwort sagt: Kommt Zeit, kommt Rad.“

Die ganze Litfasssäule samt Kommentar gibt’s übrigens drüben bei Anke. Danke.

[Peter]

Gezwitscher reloaded

Wir hatten’s ja neulich schon vom Twittern. Heute nun stieß ich auf das eigentlich nichtsunverdächtige Gezwitscher eines argentinischen Bloggers (fragt mich jetzt bitte nicht, wie ich auf den kam!), der seinem Twitter-Profil folgendes Avatarbild beistellte:

Avatar iamfran


Das ist nichts ungewöhnliches, schwarze Twitter-Avatarbilder gibt’s zuhauf*:

Avatar blogstarkAvatar kkshowAvatar PhakeCalacanisAvatar elgilipollasAvatar nogoyo


Das Besondere an dem argentinischen Avatarbild zeigt sich erst bei genauem Hinschauen. In der Mitte scheint ein weißes Pixelchen zu ruhen, das auch ein Bildschirmfehler sein könnte. In der größeren Fassung dieses Bildes wandelt sich der „Fehler“ zu folgender Schrift:

Avatar iamfran gross

„In vielen Kulturen wird die Farbe Schwarz mit dem Nichts assoziiert“, sagt Wikipedia dazu.

* Jede Menge einfarbige Avatarbilder hat twitcolor gesammelt. Coole Idee.

Film über nichts

Dieser Mann denkt an nichtsVerschlug es mich doch unlängst ins Kino – was ja so oft auch nicht vorkommt. War ich doch sehr überrascht, dass das, was als „Kriminalkomödie“ beworben wird, sich als waschechter Film über das Nichts herausstellt. Wird dort doch ein unglaubliches Gewese über eine vermeintlich hochbrisante CD mit Agenten-Infos gemacht, Menschen sterben, leiden, verzweifeln, verhalten sich wie Deppen und machen sich unmöglich und in zwei kurzen Szenen gegen Ende implodiert das alles im tiefsten Nichts. Als in diesen Szenen ein schlicht „CIA Officer“ betitelter Mensch seinem schnöde „CIA Superior“ bezeichneten Vorgesetzten versucht, den Schlamassel transparent zu machen – und dieser das ganze Getriebe höchst treffend als „Cluster-Fuck“ bezeichnet – und naturgemäß scheitert, kommt das ganz große Nichts im abschließenden Resümée des Chefs:
„Was lernen wird daraus? Den gleichen Fehler nicht nochmal zu machen. Aber welchen Fehler haben wir eigentlich gemacht?“
Selten habe ich mehr über Menschen gelacht, die absolut nichts wissen.

[Paul]

Nichts zu lesen (2)

Peter Glaser: Geschichte von NichtsPeter Glaser: Geschichte von Nichts. Erzählungen. (Kiepenheuer & Witsch) Köln 2003.

Dass einer, der Peter Glaser heißt, über Nichts schreibt, verwundert nicht. Dass einer, der an Peter Glaser schreibt, nichts denkt, schon eher. Aber darum soll es hier nicht gehen, sondern um ein weiteres Nichts-Buch, die „Geschichte von Nichts“ von Peter Glaser.

Das dumme daran ist, dass es nicht nur schon ziemlich bekannt ist, sondern auch schon x-mal besprochen wurde. Was, bitteschön, soll man noch schreiben, wenn schon die Überschriften der Amazon-Kritiken eine in sich lesbare Eloge ergeben: „Wunderbares Buch“, „Für Gourmets der deutschen Sprache“, „Unentbehrlich!“ Etwa einen Verriss?

Viel einfacher. Man sucht in dem Buch nach nichts und findet dabei seine verwirrende Essenz – den postmodernen Alltag, peinlich genau seziert in einer blutstockend virtuosen Sprache.

Ein Anschein von Licht lag auf dem Bildschirm, darin schwamm der Mauspfeil, am Rand von nichts.

Man liest automatisch langsamer, um die Bilder, die Geräusche, die Gefühle in sich nachbauen zu können.

In der Stadt nahm uns ein Kaufhaus mit seinen gläsernen Flügeltüren aus der Kälte. Schilfgrassträuße lagen neben Hemdenstapeln, leise klickten Kleiderbügel an Chromstangen, und am Ende des großen Raums transportierte eine Rolltreppe Stufe für Stufe Nichts herauf.

Und ist schließlich nicht im geringsten überrascht, einem bedenklichen Humor zu begegnen.

„Da ist irgendwas“, sagte Stella.
„Da isch überall etwasch“, sagte ich und ließ meine Oberlippe los. „Das ist das Schöne an der Realität. Stell dir vor, an einer Stelle wäre nichts. Du hättest sofort die Wohnung voller Philosophen.“

[Paul]