Monatsarchiv für März 2009

 
 

Nichts drumrum

Fast nichts ist schon von Haus aus so minimalistisch, dass es nicht noch minimalistischer ginge. Wer schon immer der Meinung war, dass die Gestaltung dieses Blogs dem unverfälschten Leseerlebnis abträglich ist, dem kann geholfen werden:

Nichts-Lyrik, noch lesbarer

Nichts-Lyrik, noch lesbarer

Das freundliche kleine JavaScript-Droplet „Readability“ für Firefox sucht auf einer gegebenen Internetseite den längsten zusammenhängenden Textbereich, formatiert ihn auf Mausklick so schnickschnackfrei wie oben gezeigt (auf der einmalig zu besuchenden Setup-Seite kann man alternativ auch Terminal-Optik wählen) und lässt alles Drumherum einfach weg. Ist das Nichts?

Auf allzu kleinteiligen, boulevardesken Nachrichtenportal-Startseiten funktioniert das allerdings nicht – hier sieht man gern einmal die Meldung „Sorry, readability was unable to parse this page for content.“ Dass die nächste Version des Droplets in der Lage sei, eine Webseite auch inhaltlich zu analysieren, so dass zukünftig auf 95 Prozent aller deutschsprachigen Medienseiten mit dieser Meldung zu rechnen sei, ist bislang nur ein unbestätigtes Gerücht … (via)

[Peter]

Werbung für nichts

Werbung für nichts? Klingt paradox. Wurde aber von Herrn Bosch in Hamburg schwarzweißfotografiert:

Werbung für nichts

Das ganze Bild samt einem Abgesang auf die gute alte Litfaßsäule gibt es ebendort.

[Paul]

Absurde Rationalität

Elfriede Jelineks neues Theaterstück „Die Kontrakte des Kaufmanns“ scheint eine wahre Fundgrube für Nichtssucher zu sein. So jedenfalls mein Eindruck bei Durchsicht der gestrigen Feuilleton-Besprechungen, die sich mit der „Wirtschaftskomödie“ – so der Untertitel – beschäftigten. Zwar wird das Stück erst im April in einer Koproduktion des Thalia Theaters Hamburg mit dem Schauspiel Köln uraufgeführt werden, eine „Urlesung“ fand jedoch bereits vorgestern in Wien statt. Laut Regisseur Nicolas Stemann dauerte die Lesung der 93 Seiten länger als die Proben dazu, nämlich viereinhalb Stunden.

„Nichts ist schwerer zu dramatisieren als das Börsengeschehen“, legt Robert Misik in der taz die Latte schon mal hoch, um dann das „Stück zur Wirtschaftskrise“ in einem fulminanten Nichts-Wirbel auf den Punkt zu bringen:

„Wir haben ins Nichts investiert“, rufen die Investoren. In „forderungsbesicherte Wertpapiere“. Also in Schulden. In „weniger als nichts“. Würde ein Revolutionsdirektorum dieses System übernehmen wollen, es fände buchstäblich NICHTS vor. „Wir haben in ein Unternehmen investiert, das es gar nicht gibt.“ Man investiert ins Nichts, das Nichts vermehrt sich, das Nichts wird über die ganze Welt verkauft – das, so Jelineks Pointe, ist die absurde Rationalität der Finanzmärkte.

Wo schon die Kritik ins im Nichts schwärmt, da lässt sich auch Jelinek nicht lumpen. Der letzte Satz des Stücks: „Dann gehört Ihnen gar nichts mehr. Nichts.“

[Paul]

Mehr Gezwitscher

Das Nichts-Twittern scheint immer mehr in Mode zu kommen. Die spezielle Variante von @TheMime beantwortet eine Frage gleich mit, die sich viele wahrscheinlich überhaupt noch nicht gestellt haben: Wie twittert eigentlich ein Pantomime?

[via Spreeblick]

[Peter]