Monatsarchiv für Juni 2010

 
 

Deuce

Treffen im Tennis zwei gleichstarke Gegner aufeinander, kommt es nach 2:2 Sätzen und 6:6 Spielen im fünften Satz zum Tie-Break. Dann wird das Spiel quasi auf Null gesetzt und wer als erster zwei Punkte Vorsprung herausspielt, hat gewonnen. Was vorher war, gilt praktisch nichts. Und bei jedem Einstand („Deuce“) steht jeder Spieler wieder vor diesem Nichts.

Einen Riesenhaufen Nichts erlebten gestern der Franzose Nicolas Mahut und der Amerikaner John Isner, die in der ersten Runde im Turnier von Wimbledon über zehn Stunden spielten, ohne zu einem Ergebnis zu kommen. Das Spiel wurde daher beim Tie-Break-Stand von 59:59 wegen der einbrechenden Dunkelheit unterbrochen.

wimbledon

Damit haben Sie den bisherigen Rekord in einem Grand-Slam-Turnier weit hinter sich gelassen und haben bereits jetzt ihren Platz in den Sportgeschichtsbüchern sicher, denn nebenbei wurden noch weitere Rekorde gebrochen. Heute nachmittag geht’s weiter.

[Peter]

Nicht(s-)Literatur

Nicht einmal die imaginäre Literatur kommt ohne das den Topos des Nichts aus:

He, ich kannte dieses Buch sogar, wenn auch nur oberflächlich! Es handelte sich um Nichts von Bedeutung von Orkos von Dannen, das Zentralwerk des Gralsunder Egalismus. […] Es ist völlig gleichgültig, ob Sie dieses Buch lesen oder nicht, war der erste Satz, der mich jedesmal davon abgehalten hatte, mit der Lektüre fortzufahren.

Und auch dieses Mal kommt Hildegunst von Mythenmetz, der Ich-Erzähler in Walter Moers‘ Stadt der Träumenden Bücher, über den ersten Satz nicht hinaus. Was sehr bedauerlich ist, denn als Metaleser hätte ich ihm gern noch ein wenig beim Blättern über die Schulter geschaut.

[Paul]

Facebook

Etwas widersprüchlich präsentiert sich die Facebookgruppe „Horst Köhler-Rücktritt – ich find’s eigentlich ganz okay“, denn ganz offensichtlich haben die Menschen, die sich als dieser Gruppe zugehörig markieren, mindestens genau dieses gemeinsam: Den Rücktritt Köhlers okay zu finden.

fb-koehler

Auf der anderen Seite ist es vermutlich bei vielen Facebook-Gruppen so, dass das einzig verbindende Element zwischen den Gruppenmitgliedern ausschließlich die Gruppe selbst ist. So nehmen wir die Aussage „Wir sind eine Gruppe von mehreren Menschen, die eines gemeinsam haben: Nichts!“ als facebookkritisches Ausrufezeichen – und werden selbst Mitglied.

[Peter]

Tempelhof

Ich bin seit der Öffnung viele Male dort gewesen. Was mich dann erwartete, hat mich überwältigt. Das Erstaunlichste für mich war – ich habe etwas Zeit gebraucht, um das zu begreifen – dass es auf dem Platz Nichts gibt. Man durchschreitet die Gatter zum Flugfeld und fühlt sich auf einen Schlag frei.

Felix Moniac auf Spreeblick über den Tempelhofer Park.

[Peter]