Archiv der Kategorie ‘Nichtsnutz‘
Zur soziologischen Psychologie der Löcher
Der wunderbare Text, den Kurt Tucholsky 1931 unter dem Pseudonym Kaspar Hauser in der “Weltbühne” veröffentlichte, wird hier von Nathalie Seitz schauspielerisch umgesetzt:
[Danke an Stephan für den Hinweis]
[Paul]
Nichts im Bild (6)
Was geht, Alder? - Tja, nichts geht mehr in der tanzagentur OST, seit der Berliner Nachtclub vor knapp einem Jahr einem Brand zum Opfer fiel. Selbst von den sanitären Anlagen ist nichts übrig geblieben als rindviehförmige Spuren auf den Kacheln:

[Peter]
Nichts zu sehen (und nichts zu wollen)
Neben mannigfaltigerlei anderem ist “nichts” auch die Antwort auf die Frage, was wohl der Blick durch ein Eisenbahnwaggonfenster bei Nacht üblicherweise erfasst. Für diejenigen unter unseren Lesern, die sich dem Schienenverkehr nur tagsüber anvertrauen, wollte ich solch ein Spectaculum unlängst mit der ansonsten meist brachliegenden Bewegtbildaufzeichnungsfunktion meines Mobilfernsprechendgeräts konservieren – was auf den ersten Blick auch zu gelingen schien. Doch der Versuch, die resultierenden 3:41 Minuten an mir vorbeihuschenden Nichts’ in diesen Internetartikel einzubinden, blieb ein solcher. Jegliches Bemühen, die störende Nebengeräuschspur auszublenden und das Ergebnis in einem geeigneten Format zu speichern, zeitigte nochmals kryptischere Dateiendungs-krzl, aber kein bewegtes Bild auf dem Monitor.
Einzig ein vom Bildschirm abfotografiertes Standbild ließ sich hier herüberretten:

Ach Peter, dies Internet und seine technischen Fallstricke – ist es ein Wunder, wenn ob seiner größere Geister als wir ins Verzweifeln verfallen?
[Paul]
Garnichts kaufen
Garnichts kann man kaufen. Bei www.garnichts.net. Warum man Garnichts kaufen sollte, erklärt die Seite so:
Nur sehr wenige Menschen in Deutschland besitzen Garnichts, in Afrika dagegen ist es für viele Menschen ganz normal, Garnichts zu besitzen. Dort fehlt es den Leuten an anderen Dingen. Was also läge näher, als dieses Mißverhältnis auszugleichen? Aufgrund dieser Einsicht haben wir uns entschlossen, für Sie Garnichts aus Afrika zu Importieren.
Im Gegenzug, so www.garnichts.net, werde der pekuniäre Gegenwert nach Afrika exportiert. Das schönste daran: man kann sich praktisch überall Garnichts kaufen und das Geld nach Afrika exportieren. Das spart zusätzlich die Geschäftskosten von garnichts.net und ist dennoch im Sinne dieser Seite.
[via @sprachschaft, die auch schon mal über nichts nachgedacht hat]
[Peter]
Nichts-Zitate (13)
Da ist nicht genug nichts drin.
John Cage
aus dem “Vortrag über Nichts” aus der Schrift “Silence” über das Schönbergsche System, zit. nach einer Vorlesung von Dieter Mersch über die “Philosophie der Gegenwartskunst”, hier “Cages Radikalisierung des Zufalls und die Ethik des Responsiven“. Schön, nicht? Danke für den Hinweis an jo.
[Paul]
Nichts zu verkaufen
Immerhin Bochumer Bestlage, diese ungenutzte Werbefläche an einer Großbaustelle (Foto: C. Wöhrl, CC-by-nc 3.0 de):

[Paul]
Nichts im Bild (5)
Unlängst lustwandelnd im sehenswerten Nihil-Bilderpool von ipernity, fand ich dies prächtige Bild von Nichts, obendrein betitelt “nothing objective” und mit der Unterzeile “nothing is the ultimate thrill.” nachgerade prädestiniert für dies Blog:
Unter CC veröffentlicht von Michael B.
[Paul]
Nichts-Lyrik (6)
Ein großer alter Mann der Nichts-Poesie: Justin Sullivan, Songwriter und Frontmann der britischen Indie-Legende New Model Army. Wollte man sich die Mühe machen, in seinen Liedtexten Wörter zu zählen, “nothing” stünde sehr weit oben in der Liste. Davon zeugen Titel wie “Nothing Touches” oder “Nothing Dies Easy”, aber das Nichts lauert auch in gefühltermaßen jedem dritten Refrain und ist Dreh- und Angelpunkt etlicher Songs.
he said - nothing’s left to keep us
in the city where we’ve come from
take us far away from here
(Tales Of The Road)
what I most of all regret is not what I did
but all the things that I left undone
like nobody learns, and nothing is changed
you ask me to follow again
(See You In Hell)
the movers move, the shakers shake,
the winners rewrite history,
but from high on the high hills
it all looks like nothing
(High)
Oder auch dieser Klassiker, zu dem wir schon im späten vorigen Jahrhundert das Haupthaar schüttelten:
nothing is as cruel as the righteousness of innocents
with automatic weapons and a gospel of the truth
…
so forgive yourself my friend, all this will soon be over,
what happened here tonight is nothing at all
(Purity)
[Peter]
Nichts wird verlost
Spannend: Auf Twitter wird gerade NICHTS verlost. Einzige Bedingung: Ein ReTweet (RT) der Nichtsverlosungsankündigung.

[Peter]
Nichts-Lyrik (Nr. 5)
Nichts
Wenn einer fragen sollte, wer wir waren -
Ich sage offen: nichts. Nichts ist geschehn.
Ich möchte manchmal mit den Zügen fahren,
Die gegen Abend gehn.Johannes R. Becher
Im Radio gehört.
[Paul]
Das Dorf, in dem nichts passiert

Pay-TV-Themenkanäle sind marketingtechnisch gesehen eine prima Erfindung: Der Werbetreibende kann eine segmentierte Zielgruppe gezielt ansprechen. Zum Bedauern der Pay-TV-Verantwortlichen haben das die potenziellen Kunden bis heute nicht verstanden.
Um dies zu ändern, wurde in Spanien eine Werbekampagne lanciert, die die Effizienz von Pay-TV-Werbung demonstrieren sollte. Ein komplett unbekanntes Produkt wurde ausschließlich auf Pay-TV-Kanälen beworben, um anschließend das Resultat zu messen.
Das Produkt, das dafür ausgewählt wurde, war das mit 12 Einwohnern kleinste Dorf Spaniens, Miravete de la Sierra. In den vier TV-Spots erzählen die Einwohner von Miravete von ihrem Alltag. Der Grundtenor der Kampagne:
Hier passiert nichts.
Wie lange ist es her, dass Ihnen nichts passiert ist?
Besuchen Sie Miravete.
www.elpuebloenelquenuncapasanada.com
Der Erfolg der Kampagne lässt sich z.B. unter adsoftheworld nachlesen.
[Paul]
PS: Wem das Intro der Webseite zu lange dauert, der findet einen “Schnell”durchgang der Webseite z.B. auf Youtube.
Nichts passiert (2)
Kaum ist hier nichts passiert, schon weist Markus darauf hin, dass auch anderswo nichts passiert(e). Bei Silbermond zum Beispiel. Die Bautzener Band brachte jüngst nach drei Jahren Pause eine neue Scheibe heraus, die - ganz schön mutig, nicht? - “Nichts passiert” heißt. Und nicht nur das. Auf dem Album wimmelt Nichts: Neben dem Titelsong heißt es da “Ich bereue nichts”, “Nicht mein Problem”, ” Die Liebe lässt mich nicht”, “Nichts mehr” und “Krieger des Nichts”.

Oh, ich sehe gerade, es heißt gar nicht “Krieger des Nichts”, sondern “Krieger des Lichts”. Schade eigentlich. Dieser Text hätte prima in unsere Nichts-Lyrik-Ecke gepasst:
Lasst uns aufstehen
Macht euch auf den Weg
An alle Krieger des Nichts
An alle Krieger des Nichts
Wo seid ihr
Ihr seid gebraucht hier
Macht euch auf den Weg
An alle Krieger des Nichts
An alle Krieger des Nichts
Das hier geht an alle Krieger des Nichts
[...]
Das ist ein Aufruf
Und dieser Aufruf geht an alle Krieger des Nichts
An alle Krieger des Nichts
Das hier geht an alle Krieger des Nichts
Krieger des Nichts.
Nichtskrieger.
Ist das nicht ein schönes neues Wort?
[Peter]
Nichts (mehr) da
Multiples Nichts gibt es in dieser Bilderserie von Miguel Martinez zu bewundern: Die ganze Nichtigkeit des Nachtlebens, eingefangen in sehr atmosphärischen Fotografien aus Hamburger Clubs, die es heute nicht mehr gibt.
[Peter]
Nichts drumrum
Fast nichts ist schon von Haus aus so minimalistisch, dass es nicht noch minimalistischer ginge. Wer schon immer der Meinung war, dass die Gestaltung dieses Blogs dem unverfälschten Leseerlebnis abträglich ist, dem kann geholfen werden:

Nichts-Lyrik, noch lesbarer
Das freundliche kleine JavaScript-Droplet “Readability” für Firefox sucht auf einer gegebenen Internetseite den längsten zusammenhängenden Textbereich, formatiert ihn auf Mausklick so schnickschnackfrei wie oben gezeigt (auf der einmalig zu besuchenden Setup-Seite kann man alternativ auch Terminal-Optik wählen) und lässt alles Drumherum einfach weg. Ist das Nichts?
Auf allzu kleinteiligen, boulevardesken Nachrichtenportal-Startseiten funktioniert das allerdings nicht - hier sieht man gern einmal die Meldung “Sorry, readability was unable to parse this page for content.” Dass die nächste Version des Droplets in der Lage sei, eine Webseite auch inhaltlich zu analysieren, so dass zukünftig auf 95 Prozent aller deutschsprachigen Medienseiten mit dieser Meldung zu rechnen sei, ist bislang nur ein unbestätigtes Gerücht … (via)
[Peter]
Absurde Rationalität
Elfriede Jelineks neues Theaterstück “Die Kontrakte des Kaufmanns” scheint eine wahre Fundgrube für Nichtssucher zu sein. So jedenfalls mein Eindruck bei Durchsicht der gestrigen Feuilleton-Besprechungen, die sich mit der “Wirtschaftskomödie” - so der Untertitel - beschäftigten. Zwar wird das Stück erst im April in einer Koproduktion des Thalia Theaters Hamburg mit dem Schauspiel Köln uraufgeführt werden, eine “Urlesung” fand jedoch bereits vorgestern in Wien statt. Laut Regisseur Nicolas Stemann dauerte die Lesung der 93 Seiten länger als die Proben dazu, nämlich viereinhalb Stunden.
“Nichts ist schwerer zu dramatisieren als das Börsengeschehen”, legt Robert Misik in der taz die Latte schon mal hoch, um dann das “Stück zur Wirtschaftskrise” in einem fulminanten Nichts-Wirbel auf den Punkt zu bringen:
“Wir haben ins Nichts investiert”, rufen die Investoren. In “forderungsbesicherte Wertpapiere”. Also in Schulden. In “weniger als nichts”. Würde ein Revolutionsdirektorum dieses System übernehmen wollen, es fände buchstäblich NICHTS vor. “Wir haben in ein Unternehmen investiert, das es gar nicht gibt.” Man investiert ins Nichts, das Nichts vermehrt sich, das Nichts wird über die ganze Welt verkauft - das, so Jelineks Pointe, ist die absurde Rationalität der Finanzmärkte.
Wo schon die Kritik ins im Nichts schwärmt, da lässt sich auch Jelinek nicht lumpen. Der letzte Satz des Stücks: “Dann gehört Ihnen gar nichts mehr. Nichts.”
[Paul]
Mehr Gezwitscher
Das Nichts-Twittern scheint immer mehr in Mode zu kommen. Die spezielle Variante von @TheMime beantwortet eine Frage gleich mit, die sich viele wahrscheinlich überhaupt noch nicht gestellt haben: Wie twittert eigentlich ein Pantomime?
[via Spreeblick]
[Peter]
Nichts-Zitate (12)
“There’s never enough time to do all the nothing you want.” sagt Calvin, beziehungsweise, in der deutschen Übersetzung: “Es ist nie genug Zeit, so viel nichts zu tun, wie man eigentlich vorhat.”
Eine bemerkenswerte Liste (inklusive der nicht immer gelungenen Übersetzungen in den deutschen Ausgaben) und viele interessante Informationen über die beiden Comichelden findet man hier.
Was hältst du eigentlich, lieber Paul, von solch gezeichneter Miniaturphilosophie? Stumpfer amerikanischer Kulturimperialismus oder legitimer Nachfolger Wilhelm Buschs?
[Peter]
Nichtser als Sand

Schön bunt, wa?, fragt Lars H. mit Recht; und weiter fragt er, warum nicht einfach kommentieren, statt zu mailen. Nun, auf diese zunächst umständliche Weise kann das jeweils neueste Leserwerk die Nichtsblog-Startseite schmücken, bis uns per Mail an post@nichtsblog.de das nächste Sandkunstwerk aus der geneigten Leserschaft erreicht.
[Paul]
Den ganzen Beitrag lesen…
Nichts als Sand
Meine jüngste Datennetzrecherche nach Nichtswürdigem ist, ich muss es gestehen, im Sande verlaufen. Nein, das stimmt nicht, den Sand sieht man erst hinterher; zuerst sieht man bei thisissand.com entzückenderweise nämlich Nichts (plus ein kleines Viereck, hinter dem sich die Spielanleitung befindet). Dieses Nichts kann der geneigte Besucher sodann ganz aktiv berieseln lassen. Das ist erwartungsgemäß zu Nichts gut, aber durchaus meditativ - und es zeitigt hübsche Resultate:

[Paul]


