Author Archive

 
 

Nichts neues über das Nichts

foto


Was es bedeutet, wenn die Erbin einer Drogeriekette behauptet, dass „nichts mehr da“ sei von ihrem Privatvermögen, darüber macht sich heute in der „taz“ die Autorin Anna Klöpper einen (kleinen) Kopf – und muss am Ende die Waffen strecken, weil natürlich auch sie nicht weiß, was nichts ist.

[Paul]

Erst das Nichts, dann der Papst

und als ich grade mit den kindern, die auf den hauptbahnhof zu ihrer mutter mussten, in der straßenbahn an der kreuzung mollstraße/leipziger-straße feststeckte, da kamen so viele, viele, viele, viele polizeimotorräder und dann einsatzfahrzeuge und alles war abgesperrt und dann kam nichts und dann wieder sehr viele motorräder, und dann schon wieder nichts und dann einige einsatzwagen und noch mehr von diesem nichts und als ganz lang überhaupt gar nichts gekommen war, und die straßen gähnten vor all dem nichts, da näherte sich mit einem großen, stummen blaulichtgetöse eine pfeilformation aus motorrädern mit blaulicht und ich hob meinen sohn aus seinem kinderwagen und wir klebten uns an die scheiben der straßenbahn, von wo meine tochter schon die ganze zeit nicht mehr wegzukriegen war und dann kam diese pfeilformation direkt auf uns zu und bog kurz bevor sie auf uns stieß um 90 grad nach rechts ab und in ihrer mitte, behütet wie eine bienenkönigin, da muss er wohl gewesen sein, in einer der vielen schwarzbescheibten limousinen, die da eingepfercht von streifenwagen sich an uns vorbeischoben. und ich rief laut: da ist er, der papst. und es ging ein ehrfürchtiges raunen durch den straßenbahnwaggon und ein wo? japste aus vielen kehlen und die jugend knipste mit ihren smartphones und mein sohn sagte: das sind aber viele motorräder. und die tochter sagte: papst? was ist ein papst?

[Paul]

Nichts verdient

ani_poster1 Ob nichts wirklich besser ist als gar nichts, das ist eine Frage, die ich gerne einem klügeren Kopf überlassen würde als mir. Neulich stolperte ich auf der Suche nach einem erotischen Filmvergnügen aber versehentlich in etwas hinein, das rein gar nichts erotischen Inhaltes war, sondern vielmehr gut hierher passt.

Nichts ist besser als gar nichts hieß der quasi-dokumentarische Film des nichtmehrganzjungen, aber nochnichtalten Regisseurs und Hauptdarstellers Jan Peters, der sich in Frankfurt am Main sechs Wochen lang mit randständigen Beschäftigungen durchschlägt, weil die Freundin seine Brieftasche miteingepackt hat und gen Amazonas-Expedition aufgebrochen ist.

Weil er nur eine Gruppenkarte für die Region Frankfurt in der Tasche hat, man damit vier weitere Personen im ÖPNV mitnehmen kann, ist das Geschäftsmodell seiner experimentellen Beschäftigung dies: Er schnackt am Automaten Leute an und bietet ihnen eine Mitfahrgelegenheit für knapp die Hälfte einer normalen Fahrkarte an. Dabei trifft er finanziell frustrierte Tagesmütter, philosophisch gewitzte Unternehmensberater, freche Hartz-4-Empfänger, Menschen, die in Frankfurts Innenstadt imkern und so einen Blick auf eine kleine Erwerbswelt innerhalb der großen wirft, bei der nichts verdient wird, die aber trotzdem ihren Wert hat.

Peters scheitert naturgemäß mit seinem irrwitzigen Vorhaben. Nach Wochen der Bahnfahrerei hat er gerade mal einen Euro Gewinn gemacht – ein Nichts, das aber immer noch besser ist als gar nichts.

Dir, lieber Peter, wäre das viel zu meditativ und gemächlich. Ich habe das aber genossen, wie sich hier einer furchtbar sympathisch und offen auf etwas einlässt, bei dem man nicht weiß, wo es enden soll. Und die Menschen, die ihm begegnen, sind auch ganz anders als man anfangs denkt. Das ist doch ein Silberstreif, du alter Miesepeter! Geh doch mal wieder ins Kino – und zwar hier!

[Paul]

Nichts zu lesen (3)

„Nichts und wieder nichts“, Antje Damm, 96 Seiten, Moritz-Verlag, 14,90 Euro

indexphp_2001„Das Nichts ist ein faszinierendes Etwas. Man kann es haben und verteilen, aber kann man es auch denken, sehen, hören? Antje Damm macht das Nichts für Kinder begreiflich.“

Aha, denke ich. Das klingt doch bekannt. Dann weiter im Pressetext dies:

„Sind wir nichts, bevor wir auf die Welt kommen? Ist das Nichts vielleicht ein Loch? Wohin geht die Reise ins Nichts? Fragen dieser Art stellt Antje Damm in ihrem neuen Buch und nimmt Kinder damit absolut ernst. Ihre Mischung aus knappsten Sätzen und oftmals verblüffenden Bildern regt Kinder unmittelbar zu eigenem Nachdenken an, denn auf solche Weise zu philosophieren macht Spaß! Und nebenbei erfährt man von Komponisten, die ein ganzes Orchester 4 Minuten und 33 Sekunden lang nichts spielen lassen oder Künstlern, die das Nichts zu malen versuchten. Und wer sagte noch: Ich weiß, dass ich nichts weiß?

Mein lieber Scholli, guter Peter, ein Descha-Wü, oder wie auch immer man das schreibt, überkommt mich. Mit Ausnahme der Kinderbuchausrichtung wird hier doch unser Nachsinnen über das „Nichts“ dupliziert – ich möchte ungerne das Wort „kopiert“ oder gar „plagiiert“ in die Tastatur hämmern. Auf Doppelseiten werden Bilder und Grafiken letzten Fragen gegenübergestellt, wie du unschwer hier erkennen kannst. Sag an darf die Frau Damm das?

[Paul]