35 Jahre im Knast - für nichts
“Alle zwei Wochen kommt derzeit ein Justizopfer frei. Manche waren sogar zum Tode verurteilt. Aber keiner saß so lange wie James Bain.”
[Peter via piranhase]
ALLES ÜBER NICHTS
“Alle zwei Wochen kommt derzeit ein Justizopfer frei. Manche waren sogar zum Tode verurteilt. Aber keiner saß so lange wie James Bain.”
[Peter via piranhase]
Der wunderbare Text, den Kurt Tucholsky 1931 unter dem Pseudonym Kaspar Hauser in der “Weltbühne” veröffentlichte, wird hier von Nathalie Seitz schauspielerisch umgesetzt:
[Danke an Stephan für den Hinweis]
[Paul]
Was geht, Alder? - Tja, nichts geht mehr in der tanzagentur OST, seit der Berliner Nachtclub vor knapp einem Jahr einem Brand zum Opfer fiel. Selbst von den sanitären Anlagen ist nichts übrig geblieben als rindviehförmige Spuren auf den Kacheln:

[Peter]
Dieses Jahr kommt hier nichts mehr.
[Paul]
Neben mannigfaltigerlei anderem ist “nichts” auch die Antwort auf die Frage, was wohl der Blick durch ein Eisenbahnwaggonfenster bei Nacht üblicherweise erfasst. Für diejenigen unter unseren Lesern, die sich dem Schienenverkehr nur tagsüber anvertrauen, wollte ich solch ein Spectaculum unlängst mit der ansonsten meist brachliegenden Bewegtbildaufzeichnungsfunktion meines Mobilfernsprechendgeräts konservieren – was auf den ersten Blick auch zu gelingen schien. Doch der Versuch, die resultierenden 3:41 Minuten an mir vorbeihuschenden Nichts’ in diesen Internetartikel einzubinden, blieb ein solcher. Jegliches Bemühen, die störende Nebengeräuschspur auszublenden und das Ergebnis in einem geeigneten Format zu speichern, zeitigte nochmals kryptischere Dateiendungs-krzl, aber kein bewegtes Bild auf dem Monitor.
Einzig ein vom Bildschirm abfotografiertes Standbild ließ sich hier herüberretten:

Ach Peter, dies Internet und seine technischen Fallstricke – ist es ein Wunder, wenn ob seiner größere Geister als wir ins Verzweifeln verfallen?
[Paul]
Nichts
“Gott hat die Welt aus Nichts gemacht”,
so steht es im Brevier,
nun kommt mir manchmal der Verdacht,
er macht sich nichts aus ihr …
Heinz Erhardt
[Danke für den Hinweis an Angelika.]
[Paul]
Garnichts kann man kaufen. Bei www.garnichts.net. Warum man Garnichts kaufen sollte, erklärt die Seite so:
Nur sehr wenige Menschen in Deutschland besitzen Garnichts, in Afrika dagegen ist es für viele Menschen ganz normal, Garnichts zu besitzen. Dort fehlt es den Leuten an anderen Dingen. Was also läge näher, als dieses Mißverhältnis auszugleichen? Aufgrund dieser Einsicht haben wir uns entschlossen, für Sie Garnichts aus Afrika zu Importieren.
Im Gegenzug, so www.garnichts.net, werde der pekuniäre Gegenwert nach Afrika exportiert. Das schönste daran: man kann sich praktisch überall Garnichts kaufen und das Geld nach Afrika exportieren. Das spart zusätzlich die Geschäftskosten von garnichts.net und ist dennoch im Sinne dieser Seite.
[via @sprachschaft, die auch schon mal über nichts nachgedacht hat]
[Peter]
Da ist nicht genug nichts drin.
John Cage
aus dem “Vortrag über Nichts” aus der Schrift “Silence” über das Schönbergsche System, zit. nach einer Vorlesung von Dieter Mersch über die “Philosophie der Gegenwartskunst”, hier “Cages Radikalisierung des Zufalls und die Ethik des Responsiven“. Schön, nicht? Danke für den Hinweis an jo.
[Paul]
Gestern abend, Tazeit 20:49, wies uns unser Nichtszuträger Weltdeswissens tazächlich auf etwas hin, das uns sonst entgangen wäre: Die TAZ entdeckt das Nichts. In der Rubrik “Wahrheit” erscheint rechts oben zum Thema “Wetter” eine täglich fortgeschriebene Geschichte, in der es um Nichts geht.

Wir empfehlen: Dranbleiben!
[Peter]
Die Deletionpedia ist ein Projekt, das es sich zur Aufgabe gemacht hat, gelöschte Artikel aus der Wikipedia aufzubewahren. Die Artikel können dort, zusammen mit Informationen über die Löschung (Löschdatum, Name des Administrators, der die Löschung ausgeführt hat und ein Link zur Löschdiskussion) abgerufen werden. Eine deutsche Fassung von Deletionpedia ist in Planung.
Soweit der Wikipedia-Artikel zur “Deletionpedia”. Der derzeit übrigens zur Löschung vorgeschlagen ist.
Schön fand ich aber vor allem, was die deutsche Deletionpedia zum Thema “nichts” zu sagen hat. Das hier:

[Peter]
Nachtrag: Paul weist gerade darauf hin, dass dieser Beitrag wunderbar in die Reihe “Enzyklopädien” passt. Stimmt. Alter Titel “nichts gelöscht” gelöscht. Peter.
Ein wahrer Meister des Nichts stammt aus Wuppertal a.d. Wupper. Seine 78 Jahre merkt man den Werken von P. Hase - so heißt der Künstler - nicht an. Im Gegenteil: Frische Konzeptkunst vom Feinsten breitet sich auf der minimalistisch angelegten Internetpräsentation des unfassbar unbekannten Künstlers aus. Ein Beispiel mag das illustrieren:
Ich schwanke noch, ob diese famose Seite nicht in unsere Blogroll gehört, obwohl sie nicht Nichts im Titel hat. Aber immerhin heißt es dort:
nicht, dass es sich bei seinen werken um besonders geschwätzige kunst handeln würde, viel mehr als nichts gab es bisher nicht zu sehen.
Meinungen dazu?
[Peter]
Immerhin Bochumer Bestlage, diese ungenutzte Werbefläche an einer Großbaustelle (Foto: C. Wöhrl, CC-by-nc 3.0 de):

[Paul]
Eigentlich wollten wir jenes Blog ignorieren, aber die dort veröffentlichte Geschichte passt zu gut hierher, als dass wir uns einen zähneknirschenden Link verkneifen könnten.
[Paul]
Manchmal ist nur nichts zu sehen, weil man nichts sehen will. Oder wegschaut.
[Paul]
Unlängst lustwandelnd im sehenswerten Nihil-Bilderpool von ipernity, fand ich dies prächtige Bild von Nichts, obendrein betitelt “nothing objective” und mit der Unterzeile “nothing is the ultimate thrill.” nachgerade prädestiniert für dies Blog:
Unter CC veröffentlicht von Michael B.
[Paul]
Ein großer alter Mann der Nichts-Poesie: Justin Sullivan, Songwriter und Frontmann der britischen Indie-Legende New Model Army. Wollte man sich die Mühe machen, in seinen Liedtexten Wörter zu zählen, “nothing” stünde sehr weit oben in der Liste. Davon zeugen Titel wie “Nothing Touches” oder “Nothing Dies Easy”, aber das Nichts lauert auch in gefühltermaßen jedem dritten Refrain und ist Dreh- und Angelpunkt etlicher Songs.
he said - nothing’s left to keep us
in the city where we’ve come from
take us far away from here
(Tales Of The Road)
what I most of all regret is not what I did
but all the things that I left undone
like nobody learns, and nothing is changed
you ask me to follow again
(See You In Hell)
the movers move, the shakers shake,
the winners rewrite history,
but from high on the high hills
it all looks like nothing
(High)
Oder auch dieser Klassiker, zu dem wir schon im späten vorigen Jahrhundert das Haupthaar schüttelten:
nothing is as cruel as the righteousness of innocents
with automatic weapons and a gospel of the truth
…
so forgive yourself my friend, all this will soon be over,
what happened here tonight is nothing at all
(Purity)
[Peter]
Spannend: Auf Twitter wird gerade NICHTS verlost. Einzige Bedingung: Ein ReTweet (RT) der Nichtsverlosungsankündigung.

[Peter]
Nichts
Wenn einer fragen sollte, wer wir waren -
Ich sage offen: nichts. Nichts ist geschehn.
Ich möchte manchmal mit den Zügen fahren,
Die gegen Abend gehn.Johannes R. Becher
Im Radio gehört.
[Paul]

Pay-TV-Themenkanäle sind marketingtechnisch gesehen eine prima Erfindung: Der Werbetreibende kann eine segmentierte Zielgruppe gezielt ansprechen. Zum Bedauern der Pay-TV-Verantwortlichen haben das die potenziellen Kunden bis heute nicht verstanden.
Um dies zu ändern, wurde in Spanien eine Werbekampagne lanciert, die die Effizienz von Pay-TV-Werbung demonstrieren sollte. Ein komplett unbekanntes Produkt wurde ausschließlich auf Pay-TV-Kanälen beworben, um anschließend das Resultat zu messen.
Das Produkt, das dafür ausgewählt wurde, war das mit 12 Einwohnern kleinste Dorf Spaniens, Miravete de la Sierra. In den vier TV-Spots erzählen die Einwohner von Miravete von ihrem Alltag. Der Grundtenor der Kampagne:
Hier passiert nichts.
Wie lange ist es her, dass Ihnen nichts passiert ist?
Besuchen Sie Miravete.
www.elpuebloenelquenuncapasanada.com
Der Erfolg der Kampagne lässt sich z.B. unter adsoftheworld nachlesen.
[Paul]
PS: Wem das Intro der Webseite zu lange dauert, der findet einen “Schnell”durchgang der Webseite z.B. auf Youtube.
Kaum ist hier nichts passiert, schon weist Markus darauf hin, dass auch anderswo nichts passiert(e). Bei Silbermond zum Beispiel. Die Bautzener Band brachte jüngst nach drei Jahren Pause eine neue Scheibe heraus, die - ganz schön mutig, nicht? - “Nichts passiert” heißt. Und nicht nur das. Auf dem Album wimmelt Nichts: Neben dem Titelsong heißt es da “Ich bereue nichts”, “Nicht mein Problem”, ” Die Liebe lässt mich nicht”, “Nichts mehr” und “Krieger des Nichts”.

Oh, ich sehe gerade, es heißt gar nicht “Krieger des Nichts”, sondern “Krieger des Lichts”. Schade eigentlich. Dieser Text hätte prima in unsere Nichts-Lyrik-Ecke gepasst:
Lasst uns aufstehen
Macht euch auf den Weg
An alle Krieger des Nichts
An alle Krieger des Nichts
Wo seid ihr
Ihr seid gebraucht hier
Macht euch auf den Weg
An alle Krieger des Nichts
An alle Krieger des Nichts
Das hier geht an alle Krieger des Nichts
[...]
Das ist ein Aufruf
Und dieser Aufruf geht an alle Krieger des Nichts
An alle Krieger des Nichts
Das hier geht an alle Krieger des Nichts
Krieger des Nichts.
Nichtskrieger.
Ist das nicht ein schönes neues Wort?
[Peter]